Vom Gefühl in einem alten Flieger

[image1]«Steigt ein Pilot mit einem anderen Gefühl ins Cockpit, wenn er weiß das der Flieger schon alt ist?», fragt Sebastian Maas. Ein Linienpilot antwortet.

Shahram Sharifi/Wikimedia/CC

In einem älteren Cockpit fühlt man sich nicht unbedingt schlechter.

Unsere Flugzeuge sind verschieden alt und haben die verschiedensten Situationen durchstanden. Einige hatten vielleicht schon Blitzschlag. Andere ein Triebwerksfeuer. Noch andere eine Notlandung wegen hydraulischen Problemen. Und einige haben vielleicht gar keine Geschichten auf dem Buckel. Habe ich ein anderes Gefühl, ob ich in ein altes oder in ein neues Flugzeug steige? Ein bisschen wohl schon.

Man muss beachten, dass die europäischen Qualitäts-Airlines immer daran sind, ihre Flotten zu erneuern. Das Durchschnittsalter der Flotte sollte tief bleiben. Dies fördert den guten Ruf der Airline. Trotzdem gibt es bei jeder Airline neuere und ältere Flugzeuge. Ein 15-jähriges Flugzeug gilt als eher alt – aber es fliegen bei einigen Airlines noch deutlich ältere herum. Ein 2-jähriges wiederum ist schon ziemlich neu. Es kann sein, dass ich auf der Kurzstrecke mit einem Flugzeugwechsel am Morgen das alte und am Nachmittag das neue fliege.

Interessante Geschichte

Wenn ich in das älteste Flugzeug einer Flotte einsteige, dann bin ich umso gespannter auf dessen Geschichte. Die kann man im Logbuch des Flugzeuges nachlesen. Dort werden aufgetretene Fehlermeldungen oder technische Probleme registriert. Ich erfahre vielleicht, dass mein heutiges Flugzeug vor zwei Tagen das Fahrwerk nicht einfahren konnte. Dies bedeutet, dass meine erhöhte Aufmerksamkeit nach dem Start dem Fahrwerk gilt. Ein altes Flugzeug hat oft mehr solcher Geschichten erlebt. Und bei ihm wurden sicherlich schon viele Teile ersetzt. Eigentlich ist das nicht anders als bei einem Auto.

Aber auch ein neues Auto kann plötzlich stehen bleiben. Es kann ja sein, dass das neue Auto noch Kinderkrankheiten hat oder Software-Probleme aufweist. Und so ist es auch in den neuen Fliegern. Neulich saß ich zum Beispiel in einem ganz neuen fliegenden Gefährt und war über dessen Geschichte echt erstaunt. Es waren schon ziemlich viele kleine Probleme im Logbuch eingetragen. Einige mögen sich vielleicht erinnern, dass auch der neue A380 einige «Problemchen» hatte. Wie dem A380 ergeht es eben den meisten neuen Flugzeugen.

Kein schlechteres Gefühl

Ich habe also in einem alten Flugzeug kein wirklich schlechteres Gefühl. Aber ich muss mich etwas mehr mit dessen Vergangenheit beschäftigen. In einem neuen Flugzeug gibt es sicherlich weniger Abnützungs-Erscheinungen. Aber viele kleine Kinderkrankheiten können sich auch zu einem Problem entwickeln – aufmerksam müssen wir also in jedem Fall sein.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.



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