Letzte Aktualisierung: 16:15 Uhr

Das Luftschiff von Graf Zeppelin

Von der verrückten Idee zum Erfolgsmodell

Ferdinand Graf von Zeppelin wollte mit schwebenden, lenkbaren Schiffen die Luft erobern. Kaiser Wilhelm II. bezeichnete ihn deswegen als «dümmsten Süddeutschen» – und musste später Abbitte leisten.

Das Fliegen faszinierte Ferdinand Graf von Zeppelin seit er im Alter von 25 Jahren erstmal einen Heißluftballon bestiegen hatte. Er entwickelte daraufhin die Idee eines lenkbaren Luftfahrzeugs, das mithilfe von Propellern manövriert werden konnte – anders als Heißluftballons, die vollständig dem Wind ausgeliefert waren. Doch seine Pläne, die er einer Expertenkommission vorlegte, stießen auf Ablehnung und Spott: Er wurde als «Narr vom Bodensee» beschimpft.

Selbst Kaiser Wilhelm II. hatte eine (schlechte) Meinung über ihn und nannte den Erfinder den «Dümmsten aller Süddeutschen». Doch Zeppelin gab nicht auf: Er gründete die Gesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt und steuerte selbst mehr als die Hälfte des Aktienkaptals von 800.000 Mark (heute etwa 5,4 Millionen Euro) bei. In der Bucht von Manzell am Bodensee entwickelte er mit Ingenieuren ein erstes Starrluftschiff.

Notlandung beim Jungfernflug

Am 2. Juli 1900 hob der Prototyp Luftschiff Zeppelin 1 (LZ1) schließlich zum ersten Mal ab. 12.000 Zuschauer am Ufer und in Booten sahen dem Jungfernflug zu. Dabei dauerte die Fahrt von LZ1 nur 18 Minuten. Wegen technischer Probleme musste das Luftschiff notlanden. Doch der Flug bewies, dass die Idee prinzipiell funktionierte. Das sah auch Wilhelm II. ein: Ein halbes Jahr später verlieh der Kaiser Zeppelin den Roten Adlerorden 1. Klasse, den zweithöchsten Orden im preußischen Staat.

Unterdessen wuchs die Begeisterung in der Bevölkerung für die Idee der fliegenden Schiffe, allerdings ging Zeppelin das Geld aus. Spenden und eine spezielle Lotterie sorgten schließlich für die nötigen finanziellen Mittel, um LZ2 und LZ3 zu bauen. Letzteres war der erste erfolgreiche Zeppelin, der zwischen 1906 und 1908 insgesamt 4398 Kilometer zurücklegte. Dennoch drohte weiter die Insolvenz.

Das Militär stieg ein

Ein flugbegeisterter Ministerialdirektor im Reichsministerium des Inneren überzeugte schließlich das Militär, dass die Technik interessant sei. Das Heer kaufte LZ3 und wollte auch den Nachfolger LZ4 erwerben. Dazu sollte Zeppelin aber beweisen, dass das Luftschiff für eine 24-Stunden-Fahrt geeignet sei.

Bei der Testfahrt am 4. August 1908 musste LZ4 schließlich wegen Motorproblemen bei Stuttgart zwischenlanden. Ein aufkommender Sturm riss das Schiff aus seiner Verankerung, es landete in einem Obstbaum, fing Feuer und wurde vollkommen zerstört. Normalerweise hätte ein solches Unglück das Aus für das Projekt bedeutet. Doch zahlreiche Zuschauer starteten eine spontane Spendenaktion.

Wunderwaffe

So kamen landesweit mehr als sechs Millionen Mark (umgerechnet 35 Millionen Euro) zusammen. In den folgenden Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden 21 Zeppeline gebaut. Im Krieg erschienen die Luftschiffe der Heeresleitung wie Wunderwaffen: Sie konnten höher, länger und weiter fliegen als die damaligen Flugzeuge, waren fast ebenso schnell, konnten dabei aber stärker bestückt werden. Die Luftschiffe wurden zur Aufklärung und für Luftangriffe mit Bomben genutzt.

Insgesamt wurden 88 Zeppeline während des Krieges produziert, ihre Lebensdauer war eher kurz: Zwei Drittel der Luftschiffe ging verloren, etwa zur Hälfte aufgrund von feindlichen Abschüssen, der Rest durch Unfälle. Mit der Niederlage des Deutschen Reiches kam auch das Ende der Kriegsluftschiffe. Die Alliierten forderten eine vollkommene Entwaffnung der deutschen Luftstreitkräfte. Daraufhin zerstörten Flieger ihre Zeppeline, damit sie sie nicht den Kriegssiegern übergeben mussten.

Weltumrundung, Arktisfahrt, Liniendienst

Friedrich Graf von Zeppelin war am 8. März 1917 – also bereits vor Kriegsende – gestorben. Er erlebte damit die Glanzzeiten seiner Erfindung nicht mehr mit. Hugo Eckener, Nachfolger von Zeppelin als Manager des Luftschiffunternehmens, konnte schließlich einen Auftrag für ein amerikanisches Starrluftschiff an Land ziehen. Die Kosten wurden mit den Reparationsforderungen verrechnet, die Deutschland an die Alliierten zahlen musste.

LZ 126 startete am 27. August 1924 zu seinem Jungfernflug, sechs Wochen später überführte Eckener das Schiff persönlich von Friedrichshafen nach Lakehurst bei New York. 81 Stunden dauerte die Fahrt über den Atlantik, an deren Ende die Reisenden begeistert von einer Menschenmenge empfangen wurden. Vier Jahre später wurde LZ 127 «Graf Zeppelin» fertiggestellt. Das 236,6 Meter lange Luftschiff umfuhr 1929 die Welt und unternahm auch eine Arktisfahrt. 1930 wurde es in den transatlantischen Liniendienst gestellt und flog New York und Rio de Janeiro an.

Die Katastrophe der Hindenburg

Das Ende der Luftschiffe folgte aus der Katastrophe der Hindenburg, die 1937 bei der Landung in Lakehurst in Flammen aufging. 35 der 97 Personen an Bord sowie ein Mitglied der Bodenmannschaft kamen ums Leben. Damit war das Vertrauen in die Sicherheit der fliegenden Schiffe so nachhaltig zerstört, dass die Graf Zeppelin nur einen Monat später außer Dienst gestellt wurde.



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