Letzte Aktualisierung: 15:42 Uhr

Erfahrungsbericht Business Class Emirates

Sautierte Garnelen, gesellige Bar und Deo nur für Männer

Hält die Business Class von Emirates, was sie verspricht? Wir haben sie getestet.

Emirates will sich über außerordentlich gehobenen Service profilieren. Wie auch die anderen Golfairlines verspricht die Fluggesellschaft aus Dubai einen Service in der Business Class, der sich anfühlt wie in der First Class. Zu Recht? Wir haben getestet – in einem Airbus A380 auf einem Flug Ende Oktober von Mauritius nach Dubai.

Buchung/Reservierung: ★★★★☆. Die Reise beginnt schon vor dem Flug. Der Buchungsprozess ist bei Emirates mit dem anderer Airlines vergleichbar. Ein Nachteil: Man muss direkt auswählen, in welcher Klasse man fliegen will. Economy-Passagiere, die sich von einem besonders günstigen Business-Angebot überzeugen lassen, verliert man damit natürlich. Via Webseite oder App kann man bei Emirates nach der Buchung bereits im Vorfeld Sitzplätze reservieren – ein obligatorischer Service. Nett für Foodies: Man kann auch schon ansehen, was für ein Menü auf dem anstehenden Flug serviert wird. Getränke- und Essenskarten sind nach Eingabe der Flugnummer verfügbar. Und: Man kann – sollte er für Abflugs- und Ankunftsort verfügbar sein – bereits eine Abholung mit der Limousine buchen.

Check-in/Einsteigen: ★★★★☆. Fürs Check-in stehen genügend Schalter zur Verfügung. In Mauritius nutzt Emirates die Lounge von Air Mauritius, mit der sie auch zusammenarbeitet. Sie ist zwar nicht groß, hat dafür ein gutes Angebot an Essen und Getränken und eine Bar, an der man auch Cocktails trinken kann. Leider hat die Lounge keine Fenster und man kann keinen Blick aufs Vorfeld genießen – anders sieht es übrigens in der Emirates-Lounge in Dubai aus – wo man sich beim Umsteigen aufhält. Im riesigen Lounge-Bereich gibt es nicht nur viele verschiedene Restaurantoptionen sondern auch immer wieder Orte, von denen aus man die unzähligen Airbus A380 der Fluglinie beobachten kann.

Crew: ★★★☆☆. Die Crew spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, wie wohl man sich an Bord fühlt. Die Ansage aus dem Cockpit macht der irische Kapitän. Er gibt freundlich und ausführlich Auskunft über den Flugverlauf. In der Kabine ist der Eindruck gemischt. Man merkt, dass bei Emirates teilweise die verschiedensten Hintergründe aufeinander prallen – kein Wunder bei einer so großen Menge an Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern aus aller Welt. Das ist auf der einen Seite schön – allein auf unserem Flug kommt die Crew aus 18 Ländern und spricht 13 unterschiedliche Sprachen. Aber die Dynamik ist nicht so harmonisch, wie man es von einigen anderen Airlines kennt, es ist kein spezieller Vibe erkennbar. Teilweise sind die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter etwas zu reserviert – wenngleich immer professionell. Trotzdem fehlt manchmal der persönliche Touch. In unserem Fall stach allerdings eine Mitarbeiterin besonders positiv heraus: Sie hatte die Schicht an der Bar und ihr gelang es, authentisch und professionell mit jedem Gast zu interagieren. Auch als es einmal brenzlig wird, weil angetrunkene Gäste etwas ungehobelt werden, löst sie die Situation mit Charme und deeskaliert – all das, während sie einen wirklich guten Cosmopolitan mixt. Dafür gibt es einen Stern mehr.

Sitz: ★★★★★. Jeder Sitz in der Business Class von Emirates hat einen eigenen Zugang zum Gang. Bereits beim Einsteigen erwartet den Gast ein eigenes kleines Angebot an Säften, Wasser und Limonaden,. Auch Schlafmaske und Socken liegen schon bereit – wohl für diejenigen, die besonders schnell einschlafen wollen und nicht darauf warten wollen, bis die Amenity Kits verteilt wurden. Man hat in verschiedenen Fächern viel Platz, um persönliche Dinge zu verstauen – allerdings ist mehr Platz vorhanden, wenn man einen Sitz auf Fensterseite ergattert. Design-Minimalisten könnte das Design der Sitze im Marmor-Look etwas zu protzig sein, anderen Passagieren gefällt vielleicht genau das. Doch das Wichtigste ist natürlich etwas anderes: Die Sitze sind extrem bequem und lassen sich zu einem ganz flachen Bett verstellen. Zur Schlafenszeit erhält man eine Matratzenauflage, die das Bett-Feeling noch etwas verbessert. Kissen und Decken sind ebenfalls gemütlich und man hat genug Platz, auf Bauch, Rücken oder auf der Seite zu schlafen.

Mahlzeiten: ★★★★☆. Auf dem Testflug waren wir in Meeresfrüchte-Stimmung. Daher gab es als Vorspeise sautierte Garnelen mit Gemüse-Avocado-Salat und zur Hauptspeise Garnelencurry mit Zitronengras, sautierten grünen Bohnen und – etwas merkwürdig in der Kombination – Ratatouille. Die Vorspeise schmeckt nicht nach Flugzeugessen sondern wie im Restaurant. Auch die Hauptspeise schmeckt gut, ist allerdings etwas weniger spektakulär – wohl auch, weil die Präsentation da eher nach Flugzeugessen aussieht. Der Fruchtsalat, den es zum Nachtisch gibt, ist etwas klein. Vor dem Essen und dazu gibt es eine reichhaltige Auswahl an Getränken. Neben Champagner, Wein, Bier und Limonaden gibt es auch zahlreiche Cocktails, die an der Bar an Bord zubereitet werden.

Sauberkeit: ★★★★★. Tadellos. Keine Krümel oder verschmierte Fenster. Auch die Toiletten und die gut frequentierte Bar waren selbst gegen Ende des Fluges noch sauber.

Kabinenausstattung: ★★★★★. Der Airbus A380 ist das Flaggschiff von Emirates – und hier gibt die Golfairline natürlich alles. Die Kabine ist geräumig, die Gepäckfächer groß. Das Highlight ist natürlich die Bar im hinteren Bereich der Business Class. Hier gibt es den ganzen Flug über Häppchen und Getränke.

Unterhaltungssystem: ★★★★★. Die Filmauswahl an Bord ist so groß, dass es den Zuschauer auch überfordern kann. Aus allen Regionen und allen Epochen gibt es Filme anzusehen – an Bord scheint sich allerdings die große Mehrheit für den Film «Boss Baby» entschieden zu haben, zeigt ein Blick durch die Kabine. Der 23-Zoll-Bildschirm ist angenehm groß. Zur Bedienung stehen zusätzlich ein Tablet und eine Fernbedienung zur Verfügung. Für Flugzeugfans ein Plus sind auch die verschiedenen Kameras am Flugzeug, die während des Fluges spannende unterschiedliche Perspektiven ermöglichen.

Wifi: ★★★☆☆. Das Internet funktioniert die meiste Zeit des Fluges, ist allerdings nicht das schnellste und hakt manchmal. So weist Emirates denn auch darauf hin, dass man besser keine Bilder verschicken oder Videos ansehen soll. Ein Plus: 20 MB sind für alle gratis. Ganz günstig ist die Nutzung aber nicht, wenn man Größeres vorhat. Dann kann man für 15,99 Dollar 500 MB oder für 9,99 Dollar 150 MB Daten kaufen. Zum Vergleich: Bei Lufthansa gibt es die 24-Stunden-Flatrate (auch auf mehreren Flügen nutzbar) für 19,95 Euro. Ist man Mitglied beim Emirates-Meilenprogramm Skywards und fliegt in der Business Class, ist das Wlan allerdings gratis.

Extras: ★★★★☆. Ein besonderes Extra vor und nach dem Flug ist die Möglichkeit, in der Business Class einen Limousinenservice zum Flughafen zu buchen – sollte er an den Destinationen zur Verfügung stehen. An Bord gibt es Amenity Kits, die mit denen anderer Airlines vergleichbar sind. Die Kosmetik kommt von Bulgari – derzeit sind die Creme und das Parfüm aus der Duftserie Eau Parfumée au thé noir – ein sehr distinkter Duft und daher Geschmackssache. Der Duft ist bei Männern und Frauen derselbe, der Unterschied liegt zum einen in der Verpackung – der Kulturbeutel ist bei Männern etwas zurückhaltender. Und auch der Inhalt ist nicht ganz derselbe. Dass Männer Rasierschaum erhalten und Frauen nicht, ist nachvollziehbar. Doch die Herren bekommen zusätzlich noch einen Deodorant. Für die Frauen gibt es nur einen Spiegel.

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