Letzte Aktualisierung: 12:58 Uhr

Sommer-Wettbewerb

Das war mein erster Flug

Wie war das damals, als Sie zum ersten Mal in einem Flugzeug saßen? Das haben wir von aeroTELEGRAPH unsere Leser gefragt. Lesen Sie die drei besten Erzählungen.

Leserbilder

Katja Ingerl in New York, Dominik Berdin auf den Kanaren und Tanja Hemme zur Zeit ihres ersten Fluges.

Es war alles dabei, vom Flug aus dem Osten in den Westen bis hin zur ersten Urlaubsreise nach Malle, von einer DC-6 bis zum Dreamliner. Die Leserinnen und Leser von aeroTELEGRAPH haben Ihre Erinnerungen an den ersten Flug mit Akribie, Detailgenauigkeit, Humor und Sinn für Dramaturgie aufgeschrieben. Dutzende von Einsendungen erreichten uns auf unseren Aufruf zum Sommer-Wettbewerb 2017 hin. Die von Condor gesponserten Flugtickets konnten leider nur drei Teilnehmer gewinnen. Auch allen anderen, die mitgemacht haben sagen wir nochmals: Danke! Wir haben alle Geschichten mit großer Freude gelesen.

Hier sind die drei Beiträge, die es auf die ersten Ränge geschafft haben:

1. Platz: Ein unvergessliches Erlebnis

Die letzte Abiturprüfung lag hinter mir, die Koffer waren gepackt. Und so ging es am 2. Juni 2011 los auf ein großes Abenteuer. Der Flug LH410 von MUC nach JFK wartete an diesem Tag, gefühlt, nur auf mich.

Die Anreise zum Flughafen war so entspannt, wie sie in einer solchen Situation nur sein kann. Ist alles im Gepäck? Wo ist der Reisepass? Habe ich die Esta-Bestätigung auch eingepackt? Und wie lautet noch die Adresse meiner Unterkunft? So war auch fast die bevorstehende, wochenlange Trennung von der ersten großen Liebe verdrängt worden. In der Eile und der Sorge auch rechtzeitig am Gate zu sein, fiel der Abschied vor den Sicherheitskontrollen dann recht kurz und schmerzlos aus – vorerst. Die nette Dame an der Kontrolle fragte mich nach den Dokumenten und ich reichte sie ihr erwartungsvoll. Es folgte die Rückfrage, ob ich denn ganz alleine reise. Und da wurde mir das bevorstehende Abenteuer, in das ich mich stürzte, bewusst. Ich konnte es nicht zurückhalten. Dicke Tränen liefen mir über die Wangen und ich musste leise schluchzen. Noch einmal dem Liebsten vor der Abtrennung zuwinken und los ging es Richtung Gate. Nach der Überwindung der Zollkontrolle und der unerwarteten Befragung für die USA-Abflüge konnte ich mich endlich vor dem Gate auf einen Stuhl fallen lassen. Und als hätte man es jetzt erwartet, ich hatte noch eine gute Stunde Zeit – bis zum Boarding. Egal, sicher ist sicher. Und so kam es, dass ich jetzt nach all dieser Hektik und Anspannung mein Umfeld ganz bewusst auf mich wirken lassen konnte. Die verglasten Außenwände mit dem atemberaubenden Blick auf ein gut gefülltes Vorfeld. Reger Betrieb an den Flugzeugen. In der Ferne ein startendes Flugzeug. Unglaubliche Glücksgefühle. Und so verharrte ich in dieser kleinen Traumwelt bis zur Aufforderung, das Flugzeug zu betreten.

Nach wie vor sehr aufgeregt in ein so großes Flugzeug zu steigen, dass mich quer über den Atlantischen Ozean nach New York bringen sollte, ließ ich den Gate-Bereich hinter mir. Eine freundliche Stewardess begrüßte mich und ich war hin und weg von dem Anblick dieser selbstbewussten jungen Frau in ihrer eleganten Uniform. Nachdem ich meinen Platz im hinteren Bereich des Flugzeuges eingenommen hatte, breitete sich etwas Angst in mir aus. In diesem Moment setzte sich ein Geschäftsmann mittleren Alters neben mich. Ein Amerikaner, wie sich schnell herausstellte. Der Smalltalk lenkte mich etwas ab. Im Augenwinkel betrachtete ich die schiere Größe des Flugzeuginnenraums und wie sich dieser stetig füllte. Bei einem Blick in die Nachbarreihe, in der sich vier Plätze aneinanderreihten, dankte ich gedanklich dem Reisebüro-Mitarbeiter für meinen Fensterplatz und nur dem netten Herren neben mir in der Zweier-Reihe. Der Start lief problemlos und dennoch schlug mein Herz drei Takte schneller. Nachdem wir die Reisehöhe erreicht hatten und schon die ersten Getränke ausgeteilt wurden, folgte eine Ansage aus dem Cockpit. «Liebe Passagiere, es begrüßen Sie heute auf dem Flug von München nach New York JFK Ihr Kapitän Holzner und seine Crew».

Schlagartig hatte ich meine Gedanken gesammelt. Ich betrachtete die Safety Card vor mir. Ich saß in einem Airbus A340-600. Mein Blick fiel in die Mitte des Flugzeuginnenraums. Da waren sie, die Treppen nach unten. Und dann war es mir klar. Der Kapitän mit der freundlichen Stimme, das müsste doch der Pilot sein, den ich erst vor einigen Wochen persönlich kennenlernen durfte. Es war ein sehr aufregender Tag, an dem ein Schulkamerad einen Ausflug in die Lufthansa-Werft am Flughafen München organisiert hatte. Sein Vater, ein langjähriger Pilot, hatte sich ein paar Stunden Zeit genommen, um uns sein Flugzeug zu zeigen und zu erklären. War es also tatsächlich der Fall, dass ich in genau diesem Flugzeug schon ganz vorne im Cockpit auf dem Platz des Kapitäns gesessen habe, ging es mir wild durch den Kopf. Habe ich hier die im Untergeschoss versteckten Crew Compartments in geduckter Haltung erkundet? Und ist es das Flugzeug, welches ich auch bereits von außen fachkundig betrachtet hatte?

Die Entscheidung dauerte eine ganze Weile. Ich rang innerlich mit mir und meinem Selbstbewusstsein. Sollte ich es wagen? Was, wenn ich mich getäuscht habe? Ist das überhaupt erlaubt? Beim nächsten Toilettengang tat ich es schließlich. Ich erklärte mich einer Stewardess und sie reagierte gelassen und freundlich. Sie würde vorne nachfragen und sich dann bei mir melden. Einige Minuten später kam sie lächelnd auf mich zu und bat mich um meinen Ausweis. Ich händigte ihn ihr voller Erwartung aus. Eine gute Weile verging und ich durfte mich auf den Weg ins Cockpit machen. Und es war tatsächlich der Vater meines Schulkameraden. Er bat mich freundlich, Platz zu nehmen. Allerdings musste dazu mit einigen Handgriffen eine Art Klappstuhl bereit gemacht werden. Als ich mich setzte, gab es eine ausführliche Einweisung in das Gurtsystem und das Verhalten in einem Notfall. Ich war mehr als aufgeregt und meine Freude reichte in diesem Moment tatsächlich, bis zum Himmel.

Der Kapitän und seine Kopilotin zeigten mir das gesamte Cockpit und erklärten mir einige der vielen leuchtenden Knöpfe. Der Anblick hatte mich überwältigt, sodass ich mir nicht allzu viel merken konnte. Der Blick nach draußen zeigte ein unendliches Blau – wir waren über dem Atlantik. Es war kein Land in Sicht. Dieses Szenario raubte mir für eine gefühlte Ewigkeit den Atem. Als ob diese Eindrücke nicht schon genug gewesen wären und ich diese Erlebnisse bei weitem noch nicht verarbeitet hatte, folgte eine weitere Überraschung. Eine Stewardess kam mit drei Mahlzeiten der Business Class zu uns ins Cockpit – ich konnte mein Glück kaum fassen. Alles, was ich über die Speisen in der Economy Class gehört hatte, konnte ich hiermit umgehen. Sogar die Getränke bekamen wir in Gläsern serviert. Fasziniert hatte mich meinen gesamten Aufenthalt im Cockpit über auch die gelassene Stimmung des Kabinenpersonals untereinander. Was für ein spannender Job, ging es mir durch den Kopf. Aber erst einmal war mein Besuch ganz vorne im Flugzeug beendet. Ich bedankte mich und das Grinsen in meinem Gesicht war nach wie vor riesig.

Und so ging ich den langen Gang des Flugzeuges hinab, das Grinsen immer noch vorhanden und fühlte mich so besonders. Was mein Sitznachbar wohl denkt? Hat jemand bemerkt, dass ich ins Cockpit durfte? All diese Fragen beschäftigten mich noch eine ganze Weile. Als allmählich mein Kopf wieder eine entspannte Temperatur angenommen hatte, war ich jetzt vollkommen in der Economy Class angekommen. Erst jetzt, nach all dieser Aufregung, war es mir möglich das Erlebnis eines «ganz normalen Fluges» zu genießen. Allerdings waren meine Gedanken schon in New York angekommen. Der Flug, all das Neue und die damit verbundene Anstrengung ließen mich auf eine baldige Landung hoffen.

Mit dieser Geschichte gewann Katja Ingerl aus Heusenstamm den 1. Preis – einen Flug mit Condor in die USA für zwei Personen.

2. Platz: Von der Sicherheitslandung zum Vielflieger

29. November 1982, ich war gerade zweieinhalb Jahre jung und meine Erinnerungen an besagten Tag sind fragmentarisch, aber vorhanden! Als ich durch die Glasfront des Saarbrücker Flughafens schaute, sah ich sie riesengroß und leuchtend rot in der trüben Wintersonne stehen: Eine Sud Aviation Caravelle 10 der deutschen Fluggesellschaft SAT, die als typisches Flugzeugmuster der damaligen Zeit meine Familie und mich an den Strand Fuerteventuras bringen sollte. Ich war so aufgeregt, dass ich mir noch am Flughafen meine Limonade überschüttete und meine Mutter, wie ich aus Erzählungen weiß, größte Sorge hatte, dass ich jetzt schmutzig in das Flugzeug einsteigen musste. Fliegen war zur damaligen Zeit bekanntlich nicht alltäglich und man musste schließlich nicht gleich «unangenehm auffallen».

Jetzt ging es also los: Flug aufgerufen, der Einstieg konnte beginnen! Meine Eltern hatten es nicht leicht, denn ich riss mich kurzerhand los, lief allein über das Vorfeld zur Maschine, weil ich dachte, nur so einen Fensterplatz ergattern zu können. Die fürsorgliche Flugbegleiterin passte mich allerdings noch vor der Treppe ab und wartete mit mir auf meine Eltern. An Bord gab es direkt zum Einstieg ein kleines Abzeichen für mein (inzwischen wieder getrocknetes) Hemd: Einen Anstecker «Juniorpilot»! Dann ging alles ziemlich schnell: hinsetzen (ich hatte einen eigenen Sitzplatz – Reihe 1, Fenster!), anschnallen (das gefiel mir gar nicht, ich wollte ja noch den Piloten besuchen, der durch die offene Cockpittür gut zu sehen war), abfliegen! Mein Vater, als bekennender Flugangst-Experte, bemerkte allerdings direkt nach dem Start, dass «etwas mit dem Druck» nicht in Ordnung sei und «der Flieger nicht richtig steigt».

Meine Mutter war gerade dabei, sein Gerede als «typisch» abzuwerten, als erkennbar wurde, dass sich die Caravelle nördlich von Saarbrücken entfernte – und nicht wie erforderlich südlich! Die Flugbegleiterin eilte während des Steigflugs herbei und versorgte mich mit Salzstangen – ich fand das super und schaute begeistert aus dem Fenster, wenngleich sich jetzt auch meine mitreisende Patentante ernsthaft Sorgen machte. Während mein Vater, wie ich heute weiß, schon auf die herabfallenden Sauerstoffmasken wartete, meldete sich der Pilot: «Aufgrund von Problemen mit dem Kabinendruck habe ich mich soeben entschieden, in niedriger Flughöhe den Flughafen Köln/Bonn anzusteuern, um dort zu landen!» Ich jubelte, denn ich dachte, dass wir schon in Fuerteventura seien! Mein Vater kommentierte ironisch: «Die kann noch segeln, die Caravelle, die kann noch segeln!“» Offenbar rechnete er als Nächstes mit einem Ausfall der Triebwerke.

Während der SAT-Pilot die Maschine sicher gen Köln steuerte und dort landete, musste erneut die Flugbegleiterin quer durch den Flieger eilen, denn mein Teddybär fiel mir vor lauter Aufregung in den Gang und rutschte nach vorne, weshalb ich heftig zu weinen anfing. Schluss mit lustig! Nachdem die Caravelle sicher den Boden berührte, applaudierten die Passagiere und wir gingen von Bord. Ich erinnere mich an eine große, runde Halle, in der wir in der Mitte saßen und warteten – fünf Stunden! Zwischendurch bekamen wir die Information, dass SAT leider kein Ersatzflugzeug bereitstellen könne und wir deshalb auf die Reparatur unseres Fliegers warten müssen. Es wurde mir sehr, sehr langweilig und auch die startenden und landenden Silbervögel interessierten mich irgendwann nicht mehr.

Plötzlich wurde es noch einmal laut, denn drei Passagiere stritten mit dem Abfertigungspersonal, da sie «unter keinen Umständen» noch einmal dieses Flugzeug betreten würden. Letztlich bot die Fluggesellschaft den drei Herren den kostenlosen Rücktransport per Bundesbahn nach Saarbrücken an und auch mein Vater überlegte, ob das eine ernsthafte Option statt des Urlaubs sei. Meine Mutter erinnerte ihn allerdings schnell daran, dass «jetzt ja wohl nichts mehr schief gehen» und die Caravelle bekanntlich «noch segeln» könne, sodass wir erneut an Bord gingen. Der Flug glückte sicher, nur auf die Salzstangen musste ich länger als zuvor warten. Nach der Landung verbrachten wir wunderschöne Tage auf der Kanareninsel.

Während die Caravelle ihren wohlverdienten Ruhestand antrat und die SAT in Germania umbenannt wurde, flog ich noch oft: Kurz- und Langstrecken, privat wie geschäftlich und vor Kurzem mit meinem kleinen Sohn, natürlich auch in Urlaub. Wohin es wohl bei seiner ersten Flugreise ging? Ganz klar! Nach Fuerteventura in eben das Hotel in Corralejo, das auch ich 1982 besuchte. Der Flug gelang völlig problemlos, Salzstangen gibt es immer noch und der Kleine ist, wie sein Vater, ein begeisterter Passagier!

Mit dieser Geschichte gewann Dominik Berdin aus Schwalbach den 2. Preis – einen Flug mit Condor nach Italien oder Zypern für zwei Personen.

3. Platz: Flug 1.0

Seit einer Woche war ich fertig. Alles drin im Koffer. Zahnbürste, Kleidung, Fotoapparat – ja, damals gab es das noch, heute macht das Smartphone die Bilder. Seit einer Woche war ich quasi abreisebereit und konnte nächtelang nicht schlafen. Ich war 14 Jahre alt und sollte das erste Mal ein Flugzeug besteigen. Mein Vater hatte mir einen Flug nach New York geschenkt. Wir flogen damals mit der amerikanischen Airline Pan Am. Der Flughafen beeindruckte mich alleine schon durch die vielen Durchsagen der ankommenden und abfliegenden Maschinen. Die Orte kannte ich bislang nur von der Landkarte.

Angekommen. Eingecheckt. Koffer fährt auf dem Band weg. Endlich saßen wir im Flugzeug, ich hatte das Gefühl ein Astronaut zu sein. Wie ein Räderwerk liefen die Sicherheitschecks ab. Die Stewardessen verteilten kleine Miniflugzeuge an die Teenager. Als ich an der Reihe war beugte sich die freundliche Dame zu mir, lächelte und fragte: «Welcome on board! Are you a terrorist?» Entsetzt verneinte ich das! Irritiert fragte sie noch einmal nach und ich gab die gleiche Antwort und fügte den Tränen nahe hinzu «no guns!». Sahen mein Vater und ich etwa wie Terroristen aus, dachte ich mir. Die bis dato freundliche Stewardess und ich schauten uns beide beklommen an. Was passiert nun? Werden wir verhaftet? Dann griff zum Glück mein Vater ein und sagte, «we are just tourists.» Die Stewardess und mein Vater brachen in Lachen aus. Erst wenige Augenblicke später verstand ich warum. Ich konnte der allgemeinen Heiterkeit wenig abgewinnen zu dem Zeitpunkt. Sie hatte «tourist» gemeint und ich in meiner Aufregung «terrorist» verstanden.

Von dem Tag an wusste ich aber, dass ich besser im Englischunterricht aufpassen sollte, wenn es um gleichklingende Wörter geht. Der Rest des Fluges verlief dann aber komplikationslos und ich wurde beim Anflug auf New York mit einem herrlichen Blick auf die Skyline entschädigt!

Mit dieser Geschichte gewann Tanja Hemme aus Berlin den 3. Preis – einen Flug mit Condor nach Italien oder Zypern für zwei Personen.

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