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25 Jahre Flughafen München

Der Mammut-Umzug von München

Vor 25 Jahren wurde der neue Flughafen im Erdinger Moos eröffnet. Der Umzug von Riem zum neuen Flughafen München verlief vorbildlich – der Weg dahin war aber nicht problemlos.

Als der Flughafen München-Riem 1939 in Betrieb genommen wurde, war er einer der modernsten der Welt. Doch bereits 15 Jahre später stellte sich heraus, dass ein Aus- und Umbau des Airports für die Bedürfnisse der modernen Luftfahrt nicht möglich war – der Flughafen lag zu nah am Stadtkern, die Umgebung war zu dicht besiedelt. Nicht zuletzt wegen schwerer Flugunglücke in den Jahren 1958 und 1960 begann die Suche nach einem neuen Standort. 1969 war dann schließlich klar, dass der Flughafen im Erdinger Moos, einem ehemaligen Moorgebiet zwischen Erding und Freising, gebaut werden sollte.

Fünf Jahre später erteilte das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr die luftverkehrsrechtliche Genehmigung, das Planfeststellungsverfahren dauerte bis 1979. Der Bau startete ein Jahr später. Allerdings gab es 5724 Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss. Das Verwaltungsgericht München entschied, diese auf 40 «repräsentative Musterklagen» zu reduzieren, was nach Beschwerden schließlich vom Verwaltungsgerichtshof gestoppt wurde. Damit galt ein Baustopp.

Dritte Start- und Landebahn wurde gestrichen

Die Betreibergesellschaft des Flughafens, die Flughafen München GmbH, gab in Verhandlungen schließlich die dritte Start- und Landebahn auf. Neuere Prognosen sagten nur ein geringes Passagierwachstum voraus – ein Fehler, wie man später lernen sollte. Das Bayerische Verwaltungsgericht hob den Baustopp schließlich im März 1985 auf. Im April 1992 wurde der Flugbetrieb geprobt.

Am 11. Mai wurde der neue Flughafen vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl eröffnet. Ein Prototyp des Airbus A340 namens «Franz Josef Strauß» startete um 13.30 Uhr. Der komplette Flughafen zog über Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1992 um – und das ohne dass der Flugbetrieb beeinträchtigt wurde. Nach 52 Jahren und sechs Monaten endete der Flugbetrieb in München-Riem mit dem Abflug der Lufthansa-Boeing 737 «Freising» gegen 23 Uhr am 16. Mai. 45 Minuten später erlosch die Anflugbefeuerung für immer.

Mammutumzug mit 5000 Helfern

Um den Flughafenumzug zu erleichtern, wurden am 16. Mai bereits 14 Maschinen mit rund 2000 Passagieren zum neuen Airport geleitet. Als erste Passagiermaschine landet eine B727 von United Airlines um 12:45 Uhr aus London. Dafür wurde die Wartungshalle 4 in ein provisorisches Abfertigungsgebäude umfunktioniert. Zoll und Bundesgrenzschutz warteten hinter Campingtischen auf die einreisenden Passagiere. Die Gepäckausgabe erfolgte per Hand.

Gleichzeitig wurden Hubbühnen, Gepäckwagen, Zugmaschinen, Fluggasttreppen und anderes schweres Vorfeldgerät von Riem ins Erdinger Moos gekarrt. 16 Stunden dauerte der Umzug bei dem rund 5000 Umzugshelfer beteiligt waren. Vom «größten Umzug seit der Völkerwanderung» war die Rede. Die schwerste Transporteinheit, ein Tieflader mit einem Flugzeugschlepper für Großraumflugzeuge, wog insgesamt 110 Tonnen.

Umzugsexperten international gefragt

Die jahrelang minutiöse Planung lohnte sich: Der Marathonumzug gelang pünktlich und reibungslos. Das blieb auch im Ausland nicht unbemerkt. Experten des Münchener Flughafens München halfen später bei ähnlichen Projekten, etwa beim Umzug des Flughafens Bangkok oder des Flughafens Athen-Eleftherios Venizelos.

Keine vier Jahre nach der Eröffnung hat der Flughafen den fünfzigmillionsten Fluggast begrüßt. Mittlerweile starten und landen mehr als 40 Millionen Fluggäste am zweitgrößten Flughafen Deutschlands. Damit wurden alle Prognosen aus den 80er-Jahren übertroffen. Die Flughafengesellschaft wollte 2005 doch eine dritte Start- und Landebahn bauen. Die Regierung von Oberbayern genehmigte diese auch 2011, ein Jahr später stoppte jedoch ein Bürgerentscheid in München das Projekt. Noch ist etwas Luft: Der Flughafen hat Kapazitäten für etwa 50 Millionen Passagiere im Jahr.



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